ANNE-KATRIN ALTWEIN

AKTUELL    STEIN    BRONZE    KERAMIK    GRAFIK    TEXT    VITA    KONTAKT         ENGLISH      INTERACTIVE ART  

> Text zum Katalog und Laudationes von Dr. Cornelie Becker-Lamers, Weimar

> Laudatio Herbert Schönemann, Erfurt

> Laudatio Gudrun Schüler, Bayreuth

> Laudatio Birgit Rauschenbach, Teneriffa

> Laudation Nicole Buchfink, PI Neubrandenburg

> "Kunstpfade" ISBN 978-3-00-030152-0

> "Denn die Kunst ist die Tochter der Freiheit" Hrg. Evelyn Halm/ JenaKultur. Verlag Bussert & Stadeler ISBN-13: 978-3942115438

 

Laudatio von Herbert Schönemann, Direktor der Galerie am Fischmarkt Erfurt, 1996:

In Bildwerken umzusetzen, was den eigenen vorgestellten Lebenssinn ausmacht, die geistigen Schübe zu nutzen, Neüs zu gestalten, das Vergleichbare in der Kunst zu sehen und zu vergessen, um in der künstlerischen Arbeit die vor Ort gewonnenen Einsichten vorzutragen im Bruch mit allem Bisherigen- das betreibt die Weimarer Bildhaürin Anne-Katrin Altwein seit Jahren mit Leidenschaft und Intensität.

Es stehen Odins Raben (Hugin und Munin) und die Midgardschlange, einen Meter hoch, seit 1992 am Residenzschloss zu Weimar. Tierwesen zum Gleichnis. Sie tragen als Begleiter überzeugend das schwierige Nachdenken aus. Die menschliche Figur, wie die Tiergestalt dominieren fortan in ihrem Werk.

Die kompakten, in sich geschlossenen Steinskulpturen zeigen sich immer nur scheu nach außen. Sie sind mit sich selbst beschäftigt, bei aller Verallgemeinerung der Themen (Aphrodite 1992, Voyeur 1992, Franz und der Vogel 1992/93, Die Nachbarin 1993, Ruhendes Raubtier 1993, Schaf 1993).

Aphrodite, Marmor, 1992, ist ausschließlich innere unebenmäßige menschliche Schönheit, die sie schwebend und verhalten nach außen trägt. Der Voyeur wie Die Nachbarin haben nachhaltig Anteil an den schlimmen Altagsnachrichten. Sie sind, wie Anne-Katrin Altwein 1993 schreibt: "...Die Nachbarin. Gerüchteköchin. Friseuse der Wahrheit. Immer auf dem Sprung sein...", Wesen ohne inneren Anstand, benutzbar für das Böse. Anne-Katrin Altwein verleiht ihnen ihr künstlerisches Mitgefühl und figuriert sie gleichberechtigt im Kreis der Anderen, der Heilen. Anlässlich eines Steinbildhauersymposiums 1992 in den Künstlerwerkstätten von Erfurt schuf sie die hockende Figur des Franz von Assisi (Franz und der Vogel, Sandstein, H 100 cm), die ihren Standort vor dem Ursulinenkloster Erfurt fand. Das innerliche Nachdenken von Mensch und Tier über den scheinbar überwirklichen Auftrag", zum Beispiel vor sich zu gehen, hat die Bildhauerin in klare Formen behutsam gefügt. Bei den Tiergestalten trägt sie ihre Zugehörigkeit zum Tier auf besondere Weise in der Arbeit aus- sie zeigt sie animalisch, in ihrer Ausgeliefertheit, vor allem die Kopfskulpturen liegen schutzlos konfrontiert mit dem voyeuristischen Betrachter. Das ist von künstlerischer Kraft und von tiefem Verständnis für alles Kreatürliche, in knappen Formen.

Das Experimentelle wird nach einer beachtlichen Reihe von figurativen Steinarbeiten für Anne-Katrin Altwein wichtig, um dem doch homogenen Wewrk kontrapunktisch zu begegnen. Es entstehen der Rutengänger (Metall, geschweisst, 1994, Höhe 210 cm), Doppelköpfe, Handschuhe und Hände, deren surreale Elemente unübersehbar sind. Sie verweisen auf abwesende Wirklichkeiten.

1995/96 beginnt sie mit einer Serie von Plastiken - Gips für Porzellan- zu experimentieren, die sie als Gelichterim Nationaltheater Weimar ausstellte. Ein weißes Spiel sperriger figurativer Torsi: Aufgereckte, Steigende, Schwebende und Fallende, die ohne innere Orientierung und Aufrichtung wie Irrlichter theaterhaft um sich selbst kreisen, wobei die isolierten Hände im attributiven Gefolge wie zerstreut aus dem Boden wachsen. Das gegensätzliche elementarer Kräfte der Steinskulpturen zu den Farbe und Material verweigernden Plastiken aus Gips und Porzellan ist ein auffälliges Spiel von Zugehörigkeit und Distanz, um Richtungen zu prüfen, wozu die Bildhauerin sich aufgefordert sieht.

Zunehmend werden ihr auch Zeichnungen wichtig, die ungebunden als freies Spiel zum ständigen Probierfeld werden.

Aktualisiert: Anne-Katrin Altwein, 2 April, 2017